Kyudo – der Weg des Bogens

Der fruchtbare Boden, auf dem der japanische Bogenweg zu dem wurde, wie wir ihn heute kennen, ist aus verschiedenen Schichten der geistigen Traditionen des Konfuzianismus, des Tao, des Shintô und aus dem Geist des Zen entstanden. Die historischen Wurzeln liegen wie beim Buddhismus in Indien, wo das zeremonielle Bogenschießens im Yoga eine der Übungen auf dem spirituellen Weg war, wie er in den Vedischen Schriften überliefert ist. So gibt es analog zum Ayurveda (Wissen vom langen  und gesunden Leben) auch den Dhanurveda (Wissen vom Bogen). In Japan entwickelte sich Kyûdô einerseits aus dem Kyû-jutsu, der Kriegstechnik der Samurai, andererseits wie schon im feudalen China aus einem zeremoniellen Schießen bei Hof. Je mehr das Bogenschießen seine Bedeutung als Kriegskunst verlor, desto deutlicher trat seine Eignung als meditative Praxis hervor.

Diese Traditionen gelangten zu unterschiedlichen Zeiten vom Festland auf den japanischen Archipel und wurden dort auf eine ganz spezifische, typisch japanische Weise untrennbar in die einheimische Denktradition des Shintô eingeschmolzen.

Der ‚Weg des Bogens’ folgt - wie die anderen traditionellen japanischen Künste – Ken-dô (Schwertweg), Ju-dô, Ka-dô (Ikebana), Cha-dô (Teeweg), Sho-dô (Kalligraphie) u.a. – der Idee des japanischen Begriffs ‚dô’, der mit dem deutschen Wort ‚Weg’ nur unzulänglich wiederzugeben ist. In der japanischen Silbe ‚dô’ schwingt die ganze Bedeutungsfülle seiner chinesischen Wurzel ‚tao’ mit, jenem zentralen Bergriff in der Philosophie des legendären Laotse, wie er ihn in seinem berühmten Buch ‚Taoteking’ bereits im sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung geprägt hat. Kyûdô ist ein Versuch, die Idee des ‚tao’ mit Hilfe des Bogenschießens zu verwirklichen.

Weitere Informationen unter www.kyudo.org und zenkointernational.org